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Manchmal Vorbehalte, vielfach Dankbarkeit und Offenheit

Klassischerweise sah christliche Jugendarbeit in der Vergangenheit so aus: Kirchen und Gemeinden entwickeln Programme und Angebote, die sie für attraktiv halten. Dann wartet man darauf, dass Teenager in die Gemeindehäuser und Gruppenstunden strömen, um diese Programme und Angebote zu “konsumieren”. In der Wirklichkeit funktioniert dieses Prinzip nicht selten nur noch eingeschränkt. Ein Interview zu Alternativen mit Leuten von Pais Freiburg.

Gemeindliche Jugendarbeit in der überkommenen Form ist heute im Endeffekt zum großen Teil Betreuung für den Nachwuchs der Gemeindemitglieder und der aktiven Kirchgeher – was ja nichts Schlechtes ist, aber selten den ursprünglichen Zielvorstellungen entspricht. Das Pais-Projekt, das 1992 im englischen Manchester entstanden ist und das seit 2006 auch in Freiburg umgesetzt wird, verfolgt einen anderen Weg: Mitarbeiter aus den Gemeinden unterstützen und ermutigen Jugendliche dort, wo diese den größten Teil ihrer Zeit verbringen – in der Schule.

Das hilft nicht nur den Teenagern selbst, sondern auch den Lehrkräften und es entlastet die Institution Schule als Ganzes. Denn dort spielt sich viel mehr ab als Wissensvermittlung. Domino-FR hat mit Mirjam Thill (22) und Sabrina Messner (21) von Pais Freiburg über ihre Arbeit an den Freiburger Schulen gesprochen. Sabrina Messner leitet das derzeit achtköpfige Team, Mirjam Thill greift ihr dabei unter die Arme und unterstützt sie als Teamleiter-Assistent.

Domino-FR: Mirjam, Du kommst aus Bergneustadt in der Nähe von Köln, Sabrina, Du aus der Nähe von Stuttgart – wie kam es, dass Ihr nun hier in Freiburg als Pais-Mitarbeiterinnen Euer FSJ verbringt?

Mirjam Thill: Ursprünglich hatte ich mal die Idee, nach Kanada zu gehen. Mir war aber nicht so ganz klar, was ich auf längere Sicht mit meinem Leben anfangen sollte. Da hat mein Jugendleiter in Bergneustadt mir empfohlen, doch zur Orientierung ein FSJ zu machen. Bei der Stellensuche bin ich auf Pais Freiburg gestoßen, was mich angesprochen hat – und schließlich bin ich in Freiburg gelandet.

Sabrina Messner: Mir hat eine Freundin, die bei Pais in England mitgearbeitet hat, von dem Projekt erzählt. Das hat mich letztlich hierher gebracht. Ich habe vor, Sozialwirtschaft zu studieren, was sicher auch mit meinen Erfahrungen hier bei Pais zu tun hat.

Domino-FR: An wie vielen Schulen ist das Pais-Team im Einsatz?

Sarina Messner: Wir haben regelmäßige Projekte an sechs Schulen. Bei den Grund- und Hauptschulen sind das die Albert-Schweitzer-Schule in Landwasser und die Silberberg-Schule in Bahlingen am Kaiserstuhl. An der Hebelschule im Stühlinger findet Tensing statt, das hat aber mit der Schule selbst direkt nichts zu tun. Dazu kommen im Realschulbereich die Lessing-Realschule in der Wiehre, die Emil-Thoma-Realschule in der Wiehre sowie die Wentzinger-Realschule in Betzenhausen und die Freie Christliche Schule in Landwasser. Dort haben wir auch unsere Zentrale – also unser Büro und unseren Team-Treffpunkt.

Domino-FR: Viele Schulen, viel Zeit unterwegs, viele Schüler – das klingt nach einem anstrengenden Job. Was macht Pais denn konkret an den Schulen?

Mirjam Thill: Im vergangen Schuljahr hatten wir durch unsere Arbeit zu gut 280 Schülerinnen und Schülern Kontakt, zu manchen davon ziemlich regelmäßig. Wir gestalten Arbeitsgemeinschaften – etwa Gitarre oder Schlagzeug -, wir bieten Nachhilfe, Hausaufgabenbetreuung oder arbeiten als Assistenten im Unterricht mit. Außerdem bieten wir Konflikttraining an. Das ist ein sehr ansprechendes und wichtiges Projekt für die Lehrer – und dafür werden wir als Paisler auch speziell geschult. Das Arbeitsprogramm für uns Paisler ist also schon straff. Wir sind ja zu 80 Prozent an den Schulen. In den übrigen 20 Prozent unserer Arbeitszeit unterstützen wir die Jungschar- und Jugendarbeit unserer jeweiligen “Gastgemeinde” – bei mir ist das zum Beispiel die Christliche Missionsgemeinde in Zähringen. Das Schöne ist, dass sich im Lauf der Monate richtige Beziehungen und Freundschaften zu den Schülern entwickeln – auch wenn der Umgang mit Teenagern manchmal echt anstrengend sein kann.

Domino-FR: Und welche Rolle spielt euer Glaube an Jesus Christus bei dem Ganzen?

Sabrina Messner: Wir respektieren natürlich, dass die Schulen – abgesehen jetzt mal von der Freien Christlichen Schule als konfessioneller Privatschule – weltanschaulich neutrale Einrichtungen sind. Das bedeutet, wir predigen und missionieren nicht oder so. Aber natürlich stehen wir als Christen zu unserem Glauben, wenn uns Schüler danach fragen und wissen wollen, wie wir mit manchen Aspekten des Lebens umgehen. Allein durch unsere Art und unser Handeln machen machen wir einen Unterschied an den Schulen und vielen Schülern fällt das natürlich auf.
Außerdem ist unsere Arbeit eine Brücke, über die Schüler, die sonst nichts mit Kirche oder Gemeinde zu tun haben, Kontakte zu anderen Christen finden können und entdecken, dass Kirche und Gottesdienst überhaupt nicht “uncool” sind!

Domino-FR: Wie gehen die Lehrkräfte an den Schulen mit Eurem Angebot und Eurer Arbeit um?

Sabrina Messner: Das ist unterschiedlich. Zum einen ist es dort, wo wir schon länger im Einsatz sind und wo man uns daher schon etwas kennt, leichter. Aber natürlich gibt es auch dort manchmal noch Vorbehalte. Wir spüren aber auch große Dankbarkeit und Offenheit, weil wir uns für die Situation an den Schulen interessieren und ganz praktisch mithelfen und mit anpacken. Sehr gefreut haben wir uns, dass wir über das Kinderbüro der Stadt Freiburg durch den 24h-Lauf für Kinderrechte rund 7000 Euro für den Ausbau unseres Konflikttrainingsangebots als Spende erhalten haben. Das hat uns nochmal bestätigt, dass dieses Training ernst genommen wird und wirklich große Bedeutung für die Schulen hat.

Fördergelder-Schecks, die Pais Freiburg erhalten hat (Foto: Holger Schindler)

 

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  1. Die Mädels machen das einfach super!

     

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