5000 Kilometer zu weit weg

Drei Bundeswehrsoldaten sind gefallen, vier wurden schwer verletzt, vier weitere leicht, sechs afghanische Soldaten haben durch Schüsse deutscher Waffen versehentlich ihr Leben verloren, eine unbekannte Anzahl sogenannter Taliban-Kämpfer das ihre im Chaos der Kämpfe. Das ist die erschütternde Bilanz alleine der jüngsten gewaltsamen Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem Einsatz der deutschen Armee am Hindukusch – gut 5000 Kilometer von ihrem Heimatland entfernt, zu dessen Verteidigung sie einzig und alleine existiert.

Ein Kommentator der FAZ hat in seiner Bewertung der Gewalt vom Karfreitag gefordert, aus Respekt vor den getöteten deutschen Soldaten die Sinn- und Legitimitätsfrage bezüglich des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan zurückzustellen. Dabei ist genau das Gegenteil angebracht. Aus Respekt vor den Toten muss die Sinn- und Legitimitätsfrage sofort und mit äußerstem Nachdruck gestellt werden. Wenn die Bundesregierung nun endlich den Irrweg dieses Einsatzes beendet, dann hätte das himmelschreiende Leid der Angehörigen und das tragische, tief traurige Sterben der jungen Männer in dieser Hinsicht etwas Positives bewirkt.

Deutschland wird eben nicht am Hindukusch verteidigt. Die diesbezüglichen Argumentationsketten sind ebenso Augenwischerei wie die Behauptung, die Bundeswehr als “Schutztruppe” im Rahmen des durch die UNO genehmigten Isaf-Einsatzes unter Nato-Kommando würde Afghanistan Frieden bringen. Man kann ja grundsätzlich darüber streiten, ob sich Frieden durch Waffen erzwingen lässt – im speziellen Fall Afghanistan ist dieser Weg ganz offensichtlich nicht möglich. Seit sieben Jahren ist die Bundeswehr in Afghanistan damit befasst – und die Lage scheint sich zunehmend zu verschlimmern anstatt zu verbessern.

Was in Afghanistan geschieht, ist bei Licht betrachtet wohl vor allen Dingen ein geostrategisches Tauziehen der strauchelnden Supermacht USA – unter Beistand ihrer Hilfsmächte wie etwa Deutschland – mit dem alten Erzrivalen Russland und dem aufstrebenden Konkurrenten China. Dafür sollte niemand sterben und niemand töten müssen – nicht die Menschen in Afghanistan und auch nicht deutsche Bundeswehrsoldaten.

Es geht also jetzt nicht darum, dass Deutschland seine Soldaten für noch mehr Geld besser ausrüstet, sondern dass es seine bisherige Rolle in diesem atavistischen Kräftemessen schnellstens wechselt. Deutschland soll nicht länger Besatzungsmacht in Afghanistan und damit letztlich Parteigänger von Washingtons neoimperialistischen Bestrebungen sein, sondern seine Soldaten so schnell wie möglich in die Heimat zurück holen, somit die Spirale der Gewalt durchbrechen und sich künftig unter Einsatz seines ganzen politischen und wirtschaftlichen Gewichts für eine nicht-militärische Lösung der Afghanistan-Frage einsetzen – wobei die verschiedenen afghanischen Parteien selbst diese Lösung miteinander erarbeiten müssen, damit sie funktionieren kann.

 

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