Mitten im kenianischen Aufruhr

Gemeinsam mit seiner Frau Marenka ist der Freiburger Augenarzt Heiko Philippin vergangenes Frühjahr im Auftrag der Christoffel-Blindenmission in die Stadt Sabatia in Westkenia gezogen, um dort in einer Klinik Augenkranke zu behandeln und Patienten mit grauem Star zu operieren. Die Calvary Chapel Freiburg hat das junge Paar für diesen Dienst ausgesandt. Die Unruhen nach den kenianischen Präsidentschaftswahlen vom 27. Dezember haben sich rasch auch dorthin ausgeweitet. Domino-FR hat mit dem Mediziner über seine Eindrücke von den Geschehnissen gesprochen.

Was haben Sie von den Tumulten nach den Wahlen mitbekommen?
Heiko Philippin: Am Silvesterabend und am Neujahrstag saßen wir hier in unserer Wohnung auf dem Klinikgelände fest. Keine Nachrichtenmehr imkenianischen Radio, kein Benzin mehr, keine Telefonkarten, keine öffentlichen Verkehrsmittel und kein Nachschub an Nahrungsmitteln. Zuvor hatten wir noch mitbekommen, dass in jeder größeren Stadt der Umgebung, besonders in Kisumu, Eldoret und in Kakamega, Chaos herrscht, mit Plünderungen, Brandstiftung und Toten. Entsprechend angespannt waren wir, als wir, abgeschnitten von allem, die weitere Entwicklung abgewartet haben. Teilweise kam auch noch Stromausfall dazu.

Gab es auch in Sabatia Gewalttaten?
Heiko Philippin: Rund ums Klinikgelände gab es in den Abendstunden mehrfach Schießereien. Doch Gott sei Dank ist es hier wieder ruhig geworden. Keiner unserer Mitarbeiter wurde bisher verletzt. Allerdings haben wir in der Klinik jetzt öfter Patienten mit schweren Augenverletzungen nach Überfällen. Viele meiner kenianischen Kollegen, die über die Feiertage heim gefahren sind, haben nun Probleme, wieder zurückzukommen. Nicht wenige Transportunternehmen gehören Angehörigen des Kikuyu-Stammes, aus dem auch der bei denWahlen vermeintlich bestätigte Präsident Kibaki kommt. Deren Busse und Sammeltaxis sind nun ganz besonders Steinewerfern und Brandanschlägen ausgesetzt.

Also kämpfen jetzt verschiedene Volksgruppen gegeneinander?
Heiko Philippin: Viele Leute hier sind fest überzeugt, dass Kibaki und seine Anhänger die Wahlen gefälscht haben. Darum sind sie sehrwütend.Das hat zu undifferenzierter Gewalt gegen alle Kikuyus geführt. Der Mann einer unserer Mitarbeiterinnen, ein Kikuyu, musste sich deshalb verstecken. Sie selbst wurde mehrfach bedroht. Wir werden sie deswegen an einen anderen Ort bringen. Auch viele andere Kikuyus sind untergetaucht.

Denken Sie, dass Sie und Ihre Frau weiterhin sicher sind?
Heiko Philippin:
Unsere Wohnung liegt direkt auf dem bewachten Krankenhausgelände, was sich jetzt einmalmehr als sehr gut erweist. Außerdem hatten wir uns schon vor Weihnachten mit Lebensmittelvorräten eingedeckt, sodass wir Engpässe bei der Versorgung überstehen können. Nicht zuletzt halten wir engen Kontakt mit unseren persönlichen Betreuern der Christoffel-Blindenmission in Bensheim und unserem Regionalbüro in Nairobi. Auch die deutsche Botschaft weiß, dass wir hier sind, und hat unsere Namen auf ihrer Krisenvorsorgeliste notiert. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, dieGewalt einzudämmen und die Wut der Menschen zu beschwichtigen.

 
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