Vermitteln und versöhnen als Lebensaufgabe
Den Freiburger Pfarrer Karl-Heinz Ronecker haben sein Dienst und die geschichtlichen und politischen Umstände mehrfach mitten in brodelnde Konflikte geführt. Zwischen den Fronten, im Angesicht von Unverständnis, Wut und Vorbehalten, versuchte der evangelische Kirchenmann zu tun, was er als Nachfolger Jesu als seine Lebensaufgabe versteht: vermitteln und versöhnen.
Drei Auseinandersetzungen waren es, die den am 28. Oktober 1936 in Palmbach bei Karlsruhe geborenen Sohn eines altkatholischen Vaters und einer Mutter aus einer Waldenser-Familie besonders herausforderten, wie er selbst berichtet. Ronecker, der heute mit seiner Frau Ingeborg in Kirchzarten lebt, war Studentenpfarrer an der Freiburger Universität, als 1968 die Hochschulunruhen losbrachen. "Marx und Freud waren die großen Lehrer, um nicht zu sagen Gurus", erinnert sich Ronecker. Die Kritik der Studenten an der bestehenden Gesellschaft und vor allem auch an der Kirche habe ihm zu schaffen gemacht, erzählt der Pfarrer, streckenweise auch Angst. Wie den christlichen Glauben verteidigen, wie ihn relevant werden lassen, wie als Christ leben, das seien brennende Fragen gewesen.
Gegen die Gräben an der Uni – Studenten verweigerten zum Teil jede weitere Zusammenarbeit mit den als reaktionär betrachteten Professoren – organisierte Ronecker "Mittwochsgespräche" zwischen den Parteien. Seine Studentengemeinde begann mit Nachhilfe für Gastarbeiterkinder, engagierte sich stärker für die Dritte Welt, besuchte die Menschen im Gefängnis. "Man musste etwas tun, musste vermitteln", resümiert Ronecker.
Als Pfarrer an der Herdermer Ludwigskirche und als Dekan (1973 bis 1991) hatte Ronecker sich mit der Friedensbewegung und Hausbesetzungen zu befassen. Wieder setzte sich der Theologe für Entspannung und Dialog zwischen Bürgerlichen und Alternativen ein, etwa als Mitglied einer "Bürgengruppe". Ronecker war auch in Whyl, als dort gegen das Atomkraftwerk protestiert wurde. "Einmal wurden junge, von Steinen getroffene Polizisten blutüberströmt an mir vorbei getragen. Quasi kraft Amtes habe ich dann Kontakt mit der Polizei und der Führung der Bürgerinitiative gesucht, um eine weitere Eskalation zu verhindern", erzählt Ronecker. Dabei habe er selbst einen Stein abbekommen und sei fast im Rhein gelandet.
Eine ganz besondere Zeit und Herausforderung waren für Karl-Heinz Ronecker, wie er erzählt, die Jahre von 1991 bis 2001. Die Evangelische Kirche hatte den konflikterprobten Freiburger zum Propst im Heiligen Land an die Erlöserkirche in der Jerusalemer Altstadt berufen. Auch auf diesem exponierten Posten verschloss der Badener nicht die Augen vor den Spannungen um ihn herum. Er suchte das Gespräch mit Palästinensern und Juden. Seine Frau lernte sogar, koscher zu kochen, damit auch orthodoxe Juden zum Essen kommen konnten. Ronecker: " Kleine Zeichen können sehr viel ausmachen!"